Soll ich mir ein Tagesgeldkonto überhaupt zulegen?

Im März 2016 erfolgte der Paukenschlag. Die EZB senkte den Leitzins auf historische null Prozent. Seitdem können sich Banken von der Zentralbank umsonst Geld leihen. Es wird noch kurioser: lagern Banken ihr Geld bei der EZB, müssen sie 0,4 Prozent Strafzinsen bezahlen. Geld bezahlen, wenn Sie Geld verleihen. Eine absurde Situation. Doch was hat das mit den Tagesgeldkonten zu tun? Ganz einfach: die EZB hat in Person von Mario Draghi das Ziel, die Konjunktur immer weiter anzukurbeln. Niedrige Zinsen verlocken zur Aufnahme von Krediten.

Denken Sie etwa an den Immobilienboom. Ob wir jemals so niedrige Kreditzinsen nochmals erleben werden, ist sehr fraglich. Die Nachfrage nach Krediten und damit Investitionen soll gesteigert werden. Gleichzeitig sollen die Sparer davon abgehalten werden, ihr Vermögen lediglich auf Konten zu verwahren. Schließlich sorgt solches Geld für keinen Wirtschaftsaufschwung. Sparen müssen wir trotzdem. Da die Sicherheit der Geldanlage für viele an erster Stelle steht, bietet sich das Tagesgeldkonto als Einstieg sehr an.

Als Zinsen noch Fliegen lernten

Doch was sehen wir da? Mickrige 0,1 Prozent bei der IngDiba. Und das auch nur bis zu einer Summe von 50 000 Euro? Das ist nicht das einzige traurige Beispiel. „Tagesgeld – Separieren Sie Geld risikolos und flexibel“. Das klingt auf den ersten Blick ja verlockend. Leider zahlt die Commerzbank keinen einzigen Cent an Zinsen mehr. 0,00 Prozent Zinsen erhält der Kunde für sein Geld. Eine armselige Vorstellung.

Man müsste bei der Bank anrufen und sich erkundigen, warum überhaupt die Eröffnung eines Tagesgeldkontos vollzogen werden sollte. Ein Girokonto tut es doch dann genauso. Ist da auch nicht noch die Inflation? Diese frisst doch ohnehin all das Ersparte auf und liegt weit über dem aktuellen Marktzins. Mein Geld verliert ja ohnehin an Wert.

Wir fahren hier nicht Schlitten

Sind Sie schon einmal Schlitten gefahren? Sie kennen das: zwanzig Minuten muss der Berg erklommen werden, ehe für eine mickrige Minute der Spaß des Hinuntersausens im Vordergrund steht. Aufwand und Ertrag liegen ökonomisch betrachtet weit auseinander. Nicht so beim Tagesgeldkonto: für die Eröffnung eines Kontos benötigen Sie etwa zwei bis drei Stunden. Was Sie dafür bekommen? Zinsen.

Für sehr lange Zeit, nicht nur für eine Minute. Wenn Sie die richtige Bank auswählen sogar mehr als nur 0,15 Prozent. RaboDirect bietet immerhin 0,4 Prozent an. Bekanntlich macht Kleinvieh auch Mist. Natürlich können Sie so nicht die Inflation schlagen, aber die Eröffnung eines Tagesgeldkontos ist immer noch besser als tatenlos dabei zuzusehen, wie Ihr Erspartes ohne jeglichen Zins noch mehr verrottet.